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Weniger Stress

  • Anreisser: Stress ist ein biologisches Notprogramm für gefährliche Augenblicke. Im Dauerbetrieb macht es chronisch krank. Wie schaltet man es ab?
  • Überschrift H2: Ständig angespannt zu sein, schadet Körper, Geist und Seele. Was tun?

Stress ist ein biologisches Notprogramm für gefährliche Augenblicke. Doch bei vielen läuft es im Dauerbetrieb, Tag für Tag, Jahr um Jahr. Was geschieht dabei mit Körper, Geist und Seele? Warum macht ständiger Stress irgendwann krank? Und was hilft dagegen?

Das vermutlich berühmteste Dauerstressopfer der Welt ist: eine Ente. Am 9. Juni 1934 in den Walt-Disney-Studios in Hollywood geboren, schlägt sich Donald Duck seither unentwegt mit Geldsorgen und einem geizigen Onkel herum, der ihn auf lebensgefährliche Expeditionen schickt. Kaum hat er eine Rechnung bezahlt, flattert die nächste ins Haus. Sein Nachbar treibt ihn zur Weißglut, der angebeteten Daisy kann er nichts recht machen, und drei lebhafte Neffen sabotieren zuverlässig jede längere Erholungsphase. Dass Donald nach knapp einem Jahrhundert noch immer keinen Herzinfarkt erlitten hat, dürfte weniger seiner Lebensweise zu verdanken sein als der unverwüstlichen Physiologie einer Comicfigur.

Was in Entenhausen köstlich amüsiert, ist im wirklichen Leben ein ernstes Gesundheitsrisiko. Stellen wir uns Herrn K. vor. Vierundvierzig, Abteilungsleiter, zwei Kinder, ein Haus mit Restschuld. Morgens um sechs wacht er auf, noch bevor der Wecker klingelt – das Herz schon im Galopp, der Kiefer verspannt wie eine Schraubzwinge. Er hat noch nichts getan. Er liegt bloß da. Und trotzdem herrscht in seinem Kopfkino schon Feuerwehralarm.

Was ist da los?

In Herrn K. läuft ein biologisches Programm ab, das älter ist als die Menschheit selbst. Ein Reflex, den er mit dem Reh teilt, das im Scheinwerferlicht erstarrt, und mit dem Hasen, der querfeldein flüchtet. Nur: Herr K. flüchtet nirgendwohin. Er bleibt liegen, im Griff eines inneren Dramas, das ihn heute nicht mehr loslassen wird. Und morgen, übermorgen ebensowenig.

Sein Problem heißt Stress: ein Notprogramm, konstruiert für den Sprint – nicht für den Marathon. Doch bei vielen läuft es im Dauerbetrieb: Tag für Tag, Jahr um Jahr, ohne Ziellinie. Was geschieht dabei mit Körper, Geist und Seele? Was richtet es früher oder später in uns an?

Gehetzt, gereizt, ausgebrannt: Was passiert, wenn wir Stress haben?

Stress beginnt im Kopf, genauer gesagt: in einer mandelförmigen Struktur tief im Gehirn, der Amygdala. Wie eine Feuermelderin bewertet sie Reize blitzschnell auf ihre Bedrohlichkeit. Registriert sie Gefahr – ob Säbelzahntiger oder unbeantwortete E-Mails des Chefs –, schlägt sie Alarm, noch ehe der Verstand die Lage vollständig eingeordnet hat.

Dann kommt eine Kaskade in Gang. Der Hypothalamus setzt zwei miteinander verbundene Reaktionswege in Gang. Über das sympathische Nervensystem aktiviert er innerhalb von Sekunden das Nebennierenmark, das vor allem Adrenalin und Noradrenalin ausschüttet – die Turbozünder der Stressreaktion. Etwas langsamer setzt er CRH frei, die Hirnanhangdrüse daraufhin ACTH und die Nebennierenrinde schließlich Cortisol. Dieses Hormon hält Energiereserven länger verfügbar.

Das Herz schlägt schneller und kräftiger, der Blutdruck steigt. Die Bronchien weiten sich, die Leber gibt zusätzlichen Zucker ins Blut ab, und die Durchblutung ändert sich zugunsten von Herz, Gehirn und Muskulatur. Die Pupillen erweitern sich, Aufmerksamkeit und Reaktionsbereitschaft nehmen zu. Verdauung und andere momentan weniger dringliche Funktionen werden gebremst. Zugleich gerinnt das Blut vorübergehend leichter, zum vorsorglichen Schutz vor größerem Blutverlust bei einer Verletzung.

Kurzum: Der Körper schaltet auf Überleben – auf Kämpfen, Fliehen oder Erstarren. „Fight or flight“ heißt dieses uralte Alarmprogramm.

Das Erstaunliche daran: Bei Herrn K. stellt es sich genauso zuverlässig ein wie bei seinem Urahn in der Steinzeit. Nur die Anlässe haben sich geändert.

Ein Erbe aus grauer Vorzeit

Warum trägt der Mensch überhaupt diesen archaischen Notfallschalter mit sich herum?

Weil er überlebenswichtig war – und es bis heute ist. Sahen sich unsere frühen Vorfahren von einem Raubtier, einem Steinschlag oder einem feindlicher Angreifer bedroht, mussten sie blitzschnell die Gefahr einschätzen und darauf reagieren. Dafür mobilisierte der Körper seine Reserven – Kraft, Tempo, Wachheit, Schmerzunempfindlichkeit. Eine rasche, der Situation angemessene Stressreaktion erhöhte die Überlebenschancen.

Wir sind die Nachkommen jener Menschen, deren Alarmsystem weder zu träge noch ständig grundlos aktiv war. Die Stressreaktion ist deshalb kein Konstruktionsfehler, sondern eine evolutionäre Errungenschaft: Kurzfristig schützt sie uns, schärft die Aufmerksamkeit und steigert unsere Leistungsfähigkeit.
Das Problem: Unser Stresssystem reagiert nicht nur auf unmittelbare Lebensgefahr, sondern auch auf soziale Bedrohungen, Kontrollverlust, Zeitdruck und erwartetes Unheil. Erfahrungen, Erinnerungen und die bewusste oder unbewusste Bewertung der Situation bestimmen mit, ob der cholerische Vorgesetzte, die Steuerprüfung oder eine unbeantwortete E-Mail den Alarm auslösen.

Der Körper stellt dann Energie bereit, erhöht Wachheit, Puls und Muskelspannung – doch statt zu fliehen oder zu kämpfen, sitzen wir regungslos im Meeting, grübeln am Schreibtisch, starren durchs Fenster. Wenn der Alarm immer wieder anspringt, lange anhält oder die Erholung ausbleibt, entsteht auf Dauer Verschleiß – die sogenannte allostatische Last. (1)

Ein Motor, der für kurze Sprints gebaut ist – aber immer wieder hochdreht, obwohl das Fahrzeug kaum vom Fleck kommt.

Kurzer Stress: unangenehm, aber oft hilfreich

Ein bisschen Stress schadet nicht – im Gegenteil, er kann sogar nützen. „Gewürz des Lebens“ nannte ihn der Mediziner und Biochemiker Hans Selye  (1907-1982), der Begründer der Stressforschung. (2) Er unterschied positiven Eustress von krankmachendem Distress. (3) Eustress aktiviert, macht motivierter und reaktionsbereiter; er schärft die Sinne, erhöht die Aufmerksamkeit, mobilisiert Energiereserven. Studenten kennen das Phänomen: Ohne den Druck der nahenden Prüfung bliebe der Stoff ungelernt. Sportler brauchen den Adrenalinstoß vor dem Startschuss.

Entscheidend ist, was danach kommt: die Erholung. Ist die Herausforderung vorüber, so lässt die Aktivität des Sympathikus nach, und sein Gegenspieler, der Parasympathikus, gewinnt die Oberhand. Puls und Blutdruck sinken, die Verdauung wird wieder stärker versorgt, die Muskelspannung nimmt ab. Zugleich bremst Cortisol über Rückkopplungsmechanismen seine weitere Ausschüttung; der Hormonspiegel nähert sich dem Ausgangsniveau. Warum bekommen Zebras keine Magengeschwüre? (4) Weil akuter Stress sich in der Flucht entlädt, zu welcher er sie veranlasst; sind sie entkommen, so endet die akute Gefahr, und er verschwindet, statt zu chronifizieren.

Anspannung, Entspannung, Anspannung, Entspannung – dieser Wechsel hält das Stresssystem gesund. Nach überschaubaren Belastungen reguliert sich der Organismus meist von selbst: Wir atmen durch, bewegen uns, reden mit anderen oder schlafen uns aus. Ein Rhythmus wie Ebbe und Flut. Der Organismus ist ein Meister der Selbstregulation, sofern man ihn lässt.

Das Problem beginnt, wenn die Flut nicht mehr zurückweicht.

Wenn der Alarm nicht mehr verstummt

Ständiger Stress ist keine Sturzflut, sondern ein Dauernieseln, das noch die dickste Mauer durchweicht.
Woher kommt er?

Da ist zunächst der Lärm – einer der meistunterschätzten Stressoren. Die Straße vor dem Fenster, der Flugverkehr, die Geräuschkulisse im Großraumbüro aus Tastaturklappern und Telefonaten. Das Ohr hat keinen Deckel; es verarbeitet Schall unentwegt, auch im Schlaf. Laute, unerwartete, störende oder emotional bedeutsame Geräusche können unbewusst Puls, Blutdruck und Stresshormone erhöhen. Chronischer Verkehrslärm stört den Schlaf und steigert langfristig das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Hinzu kommen Hitze, Kälte, schlechte Luft, flackerndes Licht, akustische Dauerberieselung im öffentlichen Raum, Elektrosmog, Infraschall – all die physikalischen Zumutungen des modernen Alltags.

In der Rumpelstilzchen-Falle: Stroh zu Gold bis morgen früh

Da ist die Arbeitswelt mit Deadlines, ständigen Unterbrechungen, Dauererreichbarkeit, Angst vor Jobverlust, mobbenden Kollegen und einem Chef, der Kontrolle mit Führung verwechselt. Multitasking, das keines ist. Meetings, die Meetings gebären. Das Diensthandy, das noch um 22 Uhr blinkend auf dem Nachttisch signalisiert: Du bist nie fertig. Wer immer erreichbar sein muss, erreicht sich selbst irgendwann nicht mehr. Je voller der Kalender, desto innerlich leerer derjenige, der ihn führt. Immer mehr Berufstätige fühlen sich fast wie die Müllerstochter bei „Rumpelstilzchen“. Denn das Märchen enthält alles, was moderne Beschäftigte stresst: eine unmögliche Aufgabe, unmenschlichen Zeitdruck, einen autoritären Vorgesetzten, existenzielle Drohungen und keinerlei Mitspracherecht. Wer glaubt, Leistungsverdichtung sei eine Erfindung moderner Unternehmensberater, sollte noch einmal bei den Gebrüdern Grimm nachlesen. Die Arbeitsanweisung der Müllerstochter lautet: einen riesigen Haufen Stroh in drei aufeinanderfolgenden Nächten zu Gold spinnen. Fristverlängerung ausgeschlossen. Bei Nichterfüllung droht die Todesstrafe. Selbst besonders ehrgeizige Personalchefs dürften einräumen: Das ist kein gesundes Arbeitsklima.

Und da ist das Private – die Sphäre, die eigentlich Zuflucht bieten sollte, aber selbst zur Nervenmühle werden kann. Dauerkonflikte in der Partnerschaft. Die Pflege der alten Eltern. Ein Kind ständig krank, das andere in heftiger Pubertätskrise. Einsamkeit. Geldsorgen, die im Kopf kreisen wie Geier. Manchmal ist es nicht der eine schwere Schlag, der uns niederstreckt, sondern die Summe tausender kleiner Nadelstiche.

Wie viele sind betroffen? Die Zahlen sind ernüchternd. Laut Stressreport 2025 der Techniker Krankenkasse fühlen sich in Deutschland 31 Prozent häufig gestresst, weitere 35 Prozent manchmal. Frauen berichten öfter davon als Männer, 18- bis 39-Jährige etwas häufiger als 40- bis 59-Jährige. Besonders belastet sind Erwerbstätige und Eltern minderjähriger Kinder. Armut, unsichere Jobs und geringe Handlungsspielräume schaffen zusätzliche Dauerbelastungen.

Auch junge Menschen geraten zunehmend unter Dauerdruck: Prüfungsstress, Zukunftsängste, Informationsflut und der endlose Vergleich in sozialen Medien – mit Menschen, die immer glücklicher, schöner, erfolgreicher und gefragter scheinen als sie selbst.

Und wer ständig unter Strom steht, darf sich über den Kurzschluss nicht wundern.

Was Dauerstress unserem Körper antut

Was passiert, wenn dieser Zustand zur Normalität wird? Was tut uns Dauerstress an?

Das Herz-Kreislauf-System leidet. Stresshormone lassen das Herz schneller und kräftiger schlagen, verändern den Gefäßtonus und treiben den Blutdruck hoch. Sinkt er dauerhaft nicht mehr ausreichend ab, werden Herz und Gefäßwände ständig beansprucht – wie ein Fluss, der unablässig an seinem Ufer nagt. Langfristig steigen die Risiken für Bluthochdruck, Arteriosklerose, Herzinfarkt und Schlaganfall. Hinzu kommt: Chronischer Stress begünstigt oft Bewegungsmangel, Rauchen, Alkoholkonsum und ungesundes Essen – zusätzliche Belastungen für Herz und Gefäße.

Auch der Stoffwechsel gerät aus dem Takt. Bleiben Cortisol und anderen Stresshormone anhaltend fehlreguliert kann Blutzucker und Blutfette ungünstig beeinflussen, die Insulinempfindlichkeit mindern und die Einlagerung von Bauchfett fördern – jener besonders riskanten Fettdepots zwischen den Organen. Damit wachsen die Risiken für Übergewicht, Typ-2-Diabetes und Fettleber. Zugleich spielt der Appetit verrückt: Manche greifen verstärkt zu Süßem und Fettigem, anderen schlägt der Stress auf den Magen.

Das Immunsystem wird nicht einfach nur „schwächer“ – es gerät aus der Balance. Chronischer Stress kann die Abwehr gegen Krankheitserreger beeinträchtigen, schlummernde Viren reaktivieren und die Wundheilung verzögern, Entzündungsprozesse fördern. 

Besonders empfindlich reagiert der Verdauungstrakt. Stress verändert die Bewegung und Sekretion von Magen und Darm sowie die Wahrnehmung innerer Reize. Die einen bekommen Durchfall, die anderen Verstopfung, wieder andere Blähungen, Übelkeit, Sodbrennen oder Krämpfe. Normale Verdauungsvorgänge schmerzen plötzlich. Bei Reizdarm, chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen oder Reflux verstärken sich Beschwerden. Zudem beeinflusst Stress Darmbarriere und Mikrobiom.

Stress hält die Muskulatur in erhöhter Alarmbereitschaft. Schultern ziehen sich hoch, der Nacken wird hart, der Rücken schmerzt. Was ursprünglich auf Kampf oder Flucht vorbereiten sollte, endet am Schreibtisch als Verspannung. Stress begünstigt Zähnepressen und –knirschen; das kann zu Zahnabrieb, Kieferbeschwerden und Spannungskopfschmerzen führen. Zudem verändert Dauerstress die Schmerzverarbeitung: Vorhandene Beschwerden werden stärker wahrgenommen und schwerer erträglich.

Auch die Atmung verändert sich. Unter Anspannung wird sie oft schneller und flacher. Übermäßiges Atmen kann Engegefühle, Schwindel, Kribbeln oder vermeintliche Luftnot auslösen. Bei Menschen mit Asthma verstärkt psychischer Stress Beschwerden. Der Körper bereitet sich auf eine Flucht vor, die am Arbeitsplatz, am Krankenbett oder vor dem Kontoauszug gar nicht stattfinden kann. 

Die Haut, dieser sprichwörtliche „Spiegel der Seele“, trägt den Stress ebenfalls nach außen. Er beeinträchtigt ihre Schutzbarriere, verzögert die Regeneration, verstärkt Entzündungsreaktionen verstärken. In belastenden Phasen verschlimmern sich bei manchen Menschen Akne, Neurodermitis, Psoriasis, Rosazea, Nesselsucht oder Herpes. Auch Juckreiz, starkes Schwitzen und diffuser Haarausfall können auftreten. Stress ist dabei selten die alleinige Ursache; aber er verstärkt vorhandene Veranlagungen und Erkrankungen.

Auch Sexualität und Fortpflanzung bleiben nicht verschont. Dauerstress kann die hormonellen Steuerungsachsen beeinflussen: Die Lust lässt nach, Erektionsprobleme treten auf, der weibliche Zyklus wird unregelmäßig oder bleibt aus. Auch die Fruchtbarkeit kann beeinträchtigt sein. Die Zusammenhänge sind allerdings komplex; Stress allein erklärt weder sexuelle Funktionsstörungen noch unerfüllten Kinderwunsch.

Darüber hinaus stört Stress den Schlaf. Wer nachts nicht abschalten kann, schläft oft schlechter ein, wacht häufiger auf und empfindet den Schlaf als weniger erholsam. Daraus entsteht ein Teufelskreis: Stress raubt den Schlaf, Schlafmangel verschärft die Stressreaktion. Blutdruck, Appetit, Schmerzempfindlichkeit, Immunabwehr und Konzentrationsfähigkeit geraten dadurch noch weiter aus dem Lot.

Schließlich setzt Dauerstress auch dem Gehirn zu. Anhaltende, besonders unkontrollierbare Belastungen verändern die Arbeitsweise und nachweislich auch die Feinstruktur stresssensibler Hirnregionen – darunter Hippocampus und präfrontaler Cortex, die für Gedächtnis, Aufmerksamkeit, Planung und Selbstkontrolle wichtig sind. Konzentration, Erinnerungsvermögen und Entscheidungsfähigkeit lassen nach. Gleichzeitig reagiert die Amygdala empfindlicher: Schon kleinere Belastungen erscheinen bedrohlich.

Kurzum: Chronischer Stress ist keine bloße Befindlichkeitsstörung. Und erst recht keine Einbildung. Er wirkt auf nahezu alle Organsysteme – auf Herz und Gefäße, Stoffwechsel und Immunsystem, Darm, Haut, Muskeln, Sexualfunktionen, Schlaf und Gehirn. Das Alarmprogramm, das uns kurzfristig schützt, beginnt uns zu schädigen, wenn es zu häufig anspringt und die Erholung ausbleibt.

Dauerfeuer im Nervenkostüm: Wenn die Seele kapituliert

Und die Psyche? Am Anfang stehen häufig Gereiztheit und innere Übererregung. Die Gedanken rasen, der Kopf spielt immer neue Katastrophenszenarien durch, selbst harmlose Schwierigkeiten erscheinen plötzlich bedrohlich. Die Zündschnur wird kürzer: Wegen Nichtigkeiten fährt man aus der Haut, reagiert empfindlich auf Kritik, fühlt sich von Geräuschen, Fragen oder kleinen Verzögerungen überfordert. Abschalten gelingt kaum noch. Selbst in ruhigen Momenten bleibt die innere Alarmanlage eingeschaltet.

Besonders zermürbend ist das Grübeln. Das Gehirn wiederholt Gespräche, Fehler und Sorgen in Endlosschleifen: Was hätte ich anders machen müssen? Was, wenn morgen alles schiefgeht? Dieses Kreisen löst kein Problem, hält die Bedrohung aber psychisch gegenwärtig. Der Stressor mag längst verschwunden sein – im Kopf treibt er weiterhin sein Unwesen. 

Zugleich verengt sich der geistige Horizont. Aufmerksamkeit und Arbeitsgedächtnis sind mit der vermeintlichen Gefahr beschäftigt; für anderes bleibt weniger Kapazität. Man liest denselben Absatz dreimal, vergisst Termine, verliert mitten im Satz den Faden, ringt selbst mit einfachen Entscheidungen. Prioritäten verschwimmen: Alles scheint gleichzeitig dringend, nichts mehr überschaubar. Aus dem Gefühl, den Anforderungen nicht gewachsen zu sein, entsteht leicht ein Teufelskreis – je weniger gelingt, desto stärker werden Selbstzweifel und Anspannung.

Häufig kommt Erschöpfung hinzu – nicht bloß Müdigkeit, sondern ein Gefühl innerer Leere: Schon der Gedanke an die nächste Aufgabe kostet Kraft. Freie Tage bringen kaum noch Erholung, weil der Körper zwar ruht, der Kopf aber weiterarbeitet. Manche Betroffene reagieren mit hektischem Aktionismus und versuchen, durch noch mehr Einsatz gegenzusteuern. Andere ziehen sich zurück, sagen Verabredungen ab und meiden selbst Dinge, die ihnen früher Freude machten. Nach und nach schrumpft das Leben auf Pflichten, Probleme und das Durchhalten bis zum Abend. Manche versuchen, die Anspannung mit Alkohol, Beruhigungsmitteln oder exzessiver Ablenkung zu betäuben. Und schaffen damit neue Probleme.

Auch die Gefühlswelt verändert sich. Manche Menschen erleben ein ständiges Auf und Ab zwischen Reizbarkeit, Angst und Verzweiflung. Andere spüren immer weniger: Freude und Neugier, Zuneigung und Anteilnahme verblassen. Diese emotionale Abstumpfung ist kein Zeichen von Gleichgültigkeit, sondern kann eine Art psychischer Notbetrieb sein. Wo jede Regung zusätzliche Kraft kostet, fährt die Seele ihre Empfindungen herunter. Der Betroffene funktioniert noch – er erlebt sich selbst aber kaum noch.
Aus chronischem Arbeitsstress, der unbewältigt bleibt, kann sich ein Burn-out entwickeln. Ihn kennzeichnen Erschöpfung, wachsende innere Distanz oder Zynismus gegenüber der Arbeit, im Gefühl, dass die berufliche Leistungsfähigkeit schwindet.

Burn-out und Depression ähneln einander und überschneiden sich, sind aber nicht dasselbe. Beim Burn-out stehen zunächst die Arbeit und die mit ihr verbundenen Belastungen im Mittelpunkt; eine Depression hingegen erfasst meist das gesamte Leben: Die Niedergeschlagenheit, Hoffnungslosigkeit, innere Leere bleibt auch außerhalb des Arbeitsplatzes bestehen. Interesse und Freude gehen verloren, Energie und Selbstwert sinken; Konzentration und Entscheidungsfähigkeit sind erheblich beeinträchtigt.

Bei anderen Menschen schlägt die dauernde Alarmbereitschaft stärker in Angst um. Sorgen verselbstständigen sich, Unsicherheit wird immer schwerer erträglich, der Körper wird ständig auf Gefahr abgesucht. Herzklopfen gilt dann als Vorzeichen eines Herzinfarkts, Schwindel als Ankündigung des Zusammenbruchs. Mitunter entlädt sich die Spannung in einer Panikattacke: plötzliches Herzrasen, Atemnot, Zittern und das überwältigende Gefühl, die Kontrolle zu verlieren oder sterben zu müssen. Wer eine solche Attacke erlebt hat, fürchtet anschließend oft die nächste – und beginnt Orte oder Situationen zu meiden, an denen sie auftreten könnte.

Besonders zerstörerisch ist schließlich das Gefühl der Ohnmacht. Nicht jede hohe Anforderung macht krank. Belastungen bewältigt man eher, wenn sie begrenzt, verständlich und beeinflussbar erscheinen und wenn auf Anspannung verlässlich Erholung folgt. Gefährlich wird Stress, wenn ein Mensch sich dauerhaft ausgeliefert erlebt: wenn er kämpfen soll, ohne gewinnen zu können; funktionieren muss, ohne etwas verändern zu dürfen; Verantwortung trägt, aber keine Kontrolle besitzt. Dann geht nicht nur Energie verloren, sondern auch das Vertrauen in die eigene Wirksamkeit.

Die Psyche „kapituliert“ also selten in einem einzigen dramatischen Augenblick. Meist zieht sie sich schrittweise zurück: zuerst aus der Gelassenheit, dann aus der Freude, schließlich aus dem Gefühl, das eigene Leben noch gestalten zu können. Ihre Rechnung besteht nicht nur aus Erschöpfung, Angst oder Niedergeschlagenheit. Der vielleicht höchste Preis ist der Verlust des inneren Spielraums – jener Fähigkeit, innezuhalten, Möglichkeiten zu sehen und sich nicht von jeder Anforderung überwältigen zu lassen.

Was hilft?

Die gute Nachricht lautet: Man ist dem Dauerfeuer nicht wehrlos ausgeliefert.

Psychotherapeutische Verfahren – besonders die kognitive Verhaltenstherapie – können helfen, Grübelschleifen zu unterbrechen, Stressoren realistischer einzuschätzen, Grenzen zu setzen und eingefahrene Reaktionsmuster zu verändern. Welches Verfahren passt, hängt von Beschwerden und Ursachen ab. Halten Erschöpfung, Angst, Schlaflosigkeit oder Niedergeschlagenheit an und beeinträchtigen den Alltag, sollte professionelle Hilfe nicht als persönliche Niederlage gelten, sondern als vernünftiger Schritt.
Doch nicht immer bedarf es eines Therapeuten, um gegenzusteuern. Oft genügen Einsicht, ein fester Entschluss und Mut, das eigene Leben umzukrempeln.

Zu den wirksamsten Gegenmitteln zählt Bewegung. Sie löst Muskelanspannung, verbessert Stimmung und Schlaf und kann Angst- und depressive Symptome lindern. Sie „verbrennt“ jedoch nicht einfach im Körper steckengebliebene Stressenergie; auch Cortisol sinkt nach einem Spaziergang nicht zwangsläufig. Entscheidend sind Regelmäßigkeit, passende Intensität und eine Bewegungsart, die nicht selbst zum Leistungsprogramm wird.

Dann der Schlaf, dieser unterschätzte Reparaturbetrieb der Nacht. Wer ihm Raum schafft, gibt dem Körper die Chance, sich zu resetten. Feste Zeiten, ein ruhiges, dunkles Schlafzimmer und weniger Bildschirmlicht am späten Abend erleichtern die Erholung.

Entspannungsverfahren wie Meditation, progressive Muskelentspannung und langsames, ruhiges Atmen dämpfen die körperliche Erregung. Sinnvoll sind nicht möglichst tiefe, hastige Atemzüge – die können Schwindel provozieren –, sondern eine sanfte, verlangsamte Atmung, häufig mit etwas längerem Ausatmen. Die Wirkung wächst meist mit der Übung; ein paar Atemzüge sind hilfreich, aber kein Not-Aus für jedes Problem.

Unverzichtbar ist soziale Unterstützung. Ein Gespräch, praktische Hilfe, Nähe und das Gefühl, nicht allein zu sein, machen Belastungen erträglicher. Oder erleichtern es, sie abschütteln. Der Mensch ist ein Herdentier; in guter Gesellschaft beruhigt sich sein Nervensystem. Freundschaft ist psychoaktive Medizin ohne Beipackzettel.

Bleibt die unbequemste Wahrheit: Manchmal hilft keine Technik, solange bestehen bleibt, was krank macht. Dann gilt es, Arbeitsmenge, Tempo, Erreichbarkeit, Konflikte, Pflegebelastung, finanzielle Not, die toxische Beziehung anzugehen – soweit das überhaupt möglich ist. Nein sagen lernen. Weniger wollen. Abstand gewinnen. Einen Schlussstrich ziehen. Loslassen. Den Fuß vom Gaspedal nehmen. Und sich gedulden. Denn Erholung braucht Zeit.

Beim Weihnachtsmann bestellen sollte man ein Anti-Stress-Programm rücksichtsvollerweise besser nicht. Der Ärmste erfüllt ohnehin schon nahezu sämtliche Kriterien eines Burn-out-Kandidaten: Milliarden Bestellungen, extreme saisonale Arbeitsverdichtung, weltweite Verantwortung, ausnahmslos Nachtarbeit, keine Vertretung und Kunden, die ihre Wünsche ständig ändern.

„Die Seele baumeln lassen“: Zumindest Herrn K. gelang dies ohne Beistand vom Himmel hoch. Er kündigte den Abteilungsleiterposten, arbeitet jetzt bloß noch vier Tage die Woche, verdient weniger, schaltet das Handy nach Feierabend aus und schläft wieder durch. Es gelingt ihm, gemeinsam mit seiner Frau einen Sonnenuntergang zu genießen, ohne zwischendurch auf die Uhr zu schauen. Stundenlang angelt er, ohne schlechtes Gewissen und Langeweile. Sein Herz galoppiert morgens nicht mehr. Neulich, erzählt er, habe er einfach tiefenentspannt und gänzlich unproduktiv auf dem Sofa gelegen und dem Vogelgezwitscher vor dem Fenster gelauscht – zwanzig Minuten, einfach so.

Er hatte fast vergessen, dass man das kann.

(Harald Wiesendanger) 

Anmerkungen

(1)  Den Begriff der „allostatischen Last“ prägten Bruce McEwen/Elizabeth Lasley in ihrem Buch The End of Stress As We Know It (2002). Gemeint ist der Verschleiß, den der Körper durch ständiges Nachjustieren ansammelt.
(2) Hans Selye: The Stress of Life, New York 1956, dt.: Stress beherrscht unser Leben, Düsseldorf 1957.
(3)  Hans Selye: Stress Without Distress, New York 1975, dt.: Stress – Bewältigung und Lebensgewinn, München 1974
(4)  Robert Sapolsky: Why Zebras Don’t Get Ulcers (1994) 

Lesetipps

Deutschsprachige Ratgeber mit medizinisch solider Grundlage und praktischen Übungen:
Gert Kaluza: Gelassen und sicher im Stress, 8. Aufl. 2023
Stiftung Gesundheitswissen: Stressbewältigung: Was tun gegen Stress?
WHO: Gut mit Stress und Belastungen umgehen 

Titelmotiv
Stress: TungArt7/Pixabay 

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Echte Vorsorge

  • Anreisser: Echte „Vorsorge“ besteht keineswegs darin, sich möglichst frühzeitig möglichst vielen teuren Untersuchungen zu unterziehen. Sie erfordert vielmehr: gesund zu leben.
  • Überschrift H2: Keine Untersuchung schützt uns davor, krank zu werden - sondern ein gesundes Leben

Die moderne Medizin lässt uns glauben, „Vorsorge“ bestehe darin, sich möglichst frühzeitig möglichst vielen teuren Untersuchungen zu unterziehen, die dann Anlass zu weiteren teuren Maßnahmen geben. Nur Wenige durchschauen das üble Spiel mit ihren Unsicherheiten, Sorgen und Ängsten – und begreifen, dass echte Vorsorge vor allem eines bedeutet: gesund zu leben.
Näheres hier 

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Heile Energetik

  • Anreisser: Sind wir nichts weiter als unser materieller Körper, vollauf verständlich und reparabel als biochemische Maschine? Die westliche Schulmedizin ist die erste und einzige Heilkunde weltweit, die das allen Ernstes glaubt – und mit uns entsprechend verfährt. Auch deshalb stößt sie an Grenzen.
  • Überschrift H2: Andere Kulturen betrachten den Menschen seit jeher auch als ein energetisches Wesen

Sind wir nichts weiter als unser materieller Körper, vollauf verständlich und reparabel als biochemische Maschine? Die westliche Schulmedizin ist die erste und einzige Heilkunde weltweit, die das allen Ernstes glaubt – und mit uns entsprechend verfährt. Auch deshalb stößt sie an Grenzen.

Alle anderen Kulturen betrachten den Menschen seit jeher auch als ein energetisches Wesen: Seine Existenz, seine Gesundheit verdankt es einer universellen Lebenskraft („Qi“, „Prana“, „Mana“, „vis vitalis“), die es aus der Erde, der Luft, dem Wasser, der Nahrung, der gesamten Natur, dem Kosmos aufnimmt. Dieses immaterielle Etwas, so stand für Heilkundige jahrtausendelang fest, durchströmt uns in einem Netz von Bahnen („Meridiane“, „Nadis“). Wir erkranken, wenn dieser Energiefluss nachhaltig gestört ist. Stören können ihn, unter anderem, auch andauernde psychische Belastungen – denn Körper, Geist und Seele sind eins -, ebenso wie unheile Beziehungen, denn mit unserem sozialen Umfeld sind wir auch mental jederzeit verbunden. Wie wäre sonst Telepathie möglich, eines der bestbestätigten Phänomene parapsychologischer Forschung?

Unser zweiter, immateriellen Körper reicht über die Grenzen unseres Leibs hinaus, oft nur wenige Zentimeter, manchmal meterweit. Sensitive nehmen ihn als „Aura“ wahr; aus deren Unregelmäßigkeiten schließen sie auf Defizite und Erkrankungen. Dieser Energiekörper soll sich vom physischen Leib lösen können: zeitweilig bei Außerkörperlichen Erfahrungen, Astralreisen und Nahtodeserlebnissen – am Lebensende für immer.

Unsere lebenswichtige Energetik günstig zu beeinflussen – Blockaden zu beseitigen, Ungleichgewichte und Schwächen auszugleichen -, ist das gemeinsame Ziel vieler unkonventioneller Heilweisen: von Akupunktur und Qi Gong über Fußreflexzonenmassage, Radionik, Orgon- und Bioresonanztherapie bis hin zum Geistigen Heilen.

Warum muss Energetische Medizin um ihren Ruf kämpfen? Zum einen fehlen allgemein anerkannte Messtechniken, um die mutmaßlichen Prozesse objektiv nachzuweisen. Zum anderen ist im physikalischen Weltbild der Gegenwart noch kein Platz für die behaupteten Phänomene. Doch auch wenn weiterhin unklar ist, wie energetische Therapien über Placebo-wirkungen hinaus nützen, steht außer Frage, dass sie es tun. Unzählige hochwertige Studien bestätigen inzwischen ihre Effekte. Und wer heilt, hat Recht. Er hat Toleranz und Neugier verdient, nicht Verachtung und Ignoranz.

In den Therapiecamps der Stiftung Auswege bildeten energetische Ansätze deshalb von Anfang an einen Schwerpunkt des Behandlungsangebots. Die beiden ersten Camps boten Teilnehmern ausschließlich Geistiges Heilen1, was die Erfolgsbilanz keineswegs beeinträchtigte, im Gegenteil2. In unserem Helfer-Netzwerk sind energetische Heiler bis heute in der Mehrheit.

Jedem seriösen Heiler ist klar: Über ein Allheilmittel verfügt auch er nicht. Diabetikern und koronar Herzkranken die Hand aufzulegen, ohne sie zu einer Ernährungsumstellung zu bewegen, ist ebenso absurd wie das Gesundbeten, Besprechen oder Fernheilen von MCS-Kranken und Elektrosensiblen, ohne sie vor den Chemikalien bzw. elektromagnetischen Feldern zu schützen, die ihnen das Leben zur Hölle machen.

Immer schon setzten energetische Heiltraditionen präventiv an: Wer genug für sein energetisches Gleichgewicht tut – etwa durch Yoga und Tai Chi, Meditation und Tanz -, beugt damit chronischen Erkrankungen vor. Auch deshalb passen sie vorzüglich zur „Auswege“-Medizin.

Damit Sie mit vermeintlichen Wunderheilern kein blaues Wunder erleben, legt Ihnen die Stiftung Auswege Elf Goldene Regeln ans Herz. Mit einem aufwändigen Auswahlverfahren minimiert die IVH die Risiken für Hilfesuchende.

 

Anmerkungen

1 Dieser wohl umstrittensten Form von Energetischer Medizin widmete der „Auswege“-Gründer und Vorsitzende Harald Wiesendanger mehrere Sachbücher. Den Forschungsstand zum Geistigen Heilen präsentiert er u.a. in Das Große Buch vom Geistigen Heilen – Möglichkeiten, Grenzen, Gefahren; Fernheilen Band 2: Fallbeispiele, Forschungen, Einwände, Erklärungen und Geistiges Heilen für eine neue Zeit – Vom “Wunderheilen“ zur ganzheitlichen Medizin

2 Zu Verlauf und Ergebnissen der ersten „Auswege“-Camps siehe Neun Tage unter Engeln – Die therapeutischen Sommercamps der Stiftung AUSWEGE sowie die kostenlose Broschüre Neue Hoffnung für chronisch Kranke – Die Therapiecamps der Stiftung Auswege

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Impfskepsis

  • Anreisser: Als „eine der größten Errungenschaften in der Geschichte der Medizin“ preisen sie Befürworter. Zweifel daran zählt die Weltgesundheitsorganisation zu den „zehn größten Gefahren für die Gesundheit der Menschheit“.
  • Überschrift H2: Wie segensreich sind Impfungen wirklich?

Als „eine der größten Errungenschaften in der Geschichte der Medizin“ preisen sie Befürworter. Zweifel daran zählt die Weltgesundheitsorganisation zu den „zehn größten Gefahren für die Gesundheit der Menschheit“. Doch wie segensreich sind Impfungen wirklich?

Für die berüchtigt pharmanahe Internet-Enzyklopädie Wikipedia steht fest: „Die von Impfgegnern teilweise dogmatisch vorgebrachten ‚Argumente‘ sind allesamt wissenschaftlich widerlegt, das Phänomen gilt als verbreitete Verschwörungstheorie sowie als Form der Wissenschaftsleugnung.“ Tatsächlich? Unzählige verzweifelte Eltern, die impffreudigen Ärzten blind vertrauten, haben für ein Kind zu sorgen, das kerngesund war – bis aufgedrängte „Immunisierungen“ es in einen körperlich und geistig chronisch beeinträchtigten „Schadensfall“ verwandelten. Immer mehr industrieunabhängige Forscher hinterfragen den angeblichen Nutzen von Impfstoffen, belegen immense Gefahren. In Impfungen sehen sie eine Hauptursache dafür, dass Autismus, neurologische und Autoimmunerkrankungen, Asthma, Allergien und Ekzeme, ADHS und andere Verhaltensstörungen, wiederkehrende und andauernde Entzündungen, Epilepsien, plötzlicher Kindstod in den vergangenen 50 Jahren sprunghaft zugenommen haben. Ihre erschütternden Erkenntnisse werden vertuscht, ihre Warnungen ignoriert, sie selbst verhöhnt und bedroht, vielfach in ihrer beruflichen Existenz vernichtet. Mit Multimilliardenaufwand stellt Big Pharmas globale Marketingmaschine sicher, dass Wissenschaftsbetrieb und Ärzteschaft, Zulassungs- und Aufsichtsbehörden, Politik und Medien ihrem höchst einträglichen Business nicht in die Quere kommen.

Was rechtfertigt Impfskepsis? Die wichtigsten Argumente hat die Stiftung Auswege zusammengestellt in dem Buch „Die Impflüge - Fragwürdiger Nutzen, verharmloste Gefahren“ (2017). Aktuelle Entwicklungen greift regelmäßig unser Online-Magazin „Auswege Infos“ auf. Auch aufgrund von herzzerreißenden Erfahrungen mit schwer impfgeschädigten Kindern, denen unsere Helferteams in beinahe jedem Therapiecamp begegnen, teilen wir voll und ganz die Überzeugung von Skeptikern: Lieber weniger, später oder gar nicht zu impfen, ist fast immer eine der effektivsten Maßnahmen, um chronischem Kranksein vorzubeugen. Der tatsächliche Nutzen von Vakzinen steht in der Regel in krassem Missverhältnis zu ihren Risiken.

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Weniger Medikamente

  • Anreisser: Wie viele neuen Arzneimittel wirken besser als ihre bewährten, billigeren Vorgänger, besser als pharmafreie, natur- und erfahrungsheilkundliche Alternativen? Wie viele tun es mit akzeptablen Nebenwirkungen, gemessen am erwiesenen Nutzen? Wie viele sind ihren üblicherweise horrenden Preis auch nur annähernd wert?
  • Überschrift H2: „Medicamentum“ nannten die alten Lateiner ein Heilmittel

„Medicamentum“ nannten die alten Lateiner ein Heilmittel. Dieser Definition folgt die EU: In ihrer Richtlinie 2001/83 vom November 2012 definiert sie Medikamente als „Stoffe oder Stoffzusammensetzungen, die zur Heilung oder zur Verhütung von Krankheiten bestimmt sind“. Demnach muss es sich bei den synthetischen Substanzen, mit denen uns die pharmazeutische Industrie eindeckt, um etwas anderes handeln. Würden sie tatsächlich heilen oder vorbeugen – Big Pharma würde sich damit das eigene Grab schaufeln. Denn an Gesunden gibt es nichts zu verdienen. Diesen Hintergrund sollten wir nie außer acht lassen, wenn wir vor der Entscheidung stehen, ob wir ein Pharmaprodukt einnehmen oder nicht.

Ist doch gar keine Frage: Viele Pharmazeutika lindern Beschwerden zuverlässig, sie retten und verlängern Leben. Ein erheblicher Teil der Präparate, welche die Weltgesundheitsorganisation (WHO) seit 1977 auf eine regelmäßig aktualisierte „Liste der unentbehrlichen Arzneimittel“ setzt, stehen zurecht dort. Aber wie steht es mit den übrigen 99 Prozent? Wie viele neuen Arzneimittel wirken besser als ihre bewährten, billigeren Vorgänger, besser als pharmafreie, natur- und erfahrungsheilkundliche Alternativen? Wie viele tun es mit akzeptablen Nebenwirkungen, gemessen am erwiesenen Nutzen? Wie viele sind ihren üblicherweise horrenden Preis auch nur annähernd wert?

Jeder Arzneiwirkstoff ist eine giftige Chemikalie, wie der Beipackzettel vor Augen führt. Doch wer liest ihn schon gründlich, wer versteht, überprüft und hinterfragt alle Angaben? Lieber vertraut man dem Arzt, der das Mittel verschreibt. Aber woher weiß er, dass der Nutzen groß, das Schadensrisiko vernachlässigbar ist – vor allem, wenn die Arznei gerade erst auf den Markt kam? Er vertraut den Zulassungsbehörden, die grünes Licht geben; aber das tun sie aufgrund von ein, zwei industriefinanzierten Studien, die fälschungsanfällig sind, keinen Aufschluss über Langzeitschäden geben, über Wechselwirkungen mit anderen eingenommenen Chemikalien, über Folgen für Kinder, Schwangere und Alte, für schwer und mehrfach Erkrankte. Er vertraut dem offiziellen Forschungsstand – doch der blendet eine unbekannte Dunkelziffer von Pharmastudien aus, die Hersteller unter Verschluss halten, weil die Ergebnisse schlecht fürs Geschäft wären. Er vertraut Fachzeitschriften, deren Verlage überwiegend am Pharmatropf hängen. Er vertraut Aus- und Weiterbildern, Referenten bei Kongressen und Tagungen, den Koryphäen seines Fachs (opinion leaders) – doch die meisten stehen als Berater, Vortragsredner, Autoren oder Auftragsforscher auf der Honorarliste von Arzneimittelfirmen. Er vertraut den therapeutischen Leitlinien von Fachgremien, in denen pharmanahe Experten das Sagen haben.

Dieses System trägt mafiöse Züge. Es macht unser Gesundheitswesen zum Spielball organisierter Kriminalität - und missbraucht den Arzt als Dealer, der einer der mächtigsten Industrien unseres Planeten zuarbeiten soll, indem er möglichst viele Bezugsscheine für ihre überteuerten Produkte ausstellt. Big Pharmas Jahresumsätze übersteigen inzwischen die Billionenmarke, rund die Hälfte davon fließt ins Marketing; daraus ergeben sich atemberaubende Druck- und Schmiermittel, um alle wichtigen Player im Gesundheitswesen zu instrumentalisieren, Alternativen in Verruf zu bringen, Kritiker mundtot zu machen. Horrorstatistiken werden heruntergespielt: Nach Herzkrankheiten und Krebs sind Medikamente inzwischen die dritthäufigste Todesursache. Seit der Jahrtausendwende fielen einer Chemotherapie weltweit 18,3 Millionen Menschen zum Opfer, Psychopharmaka über neun Millionen, Opioiden zwei Millionen. In der EU sterben jährlich 200.000, in den USA 100.000 an Nebenwirkungen von Arzneimitteln, die sie wie verordnet eingenommen haben

Ein illusionslos nüchterner Blick auf diese haarsträubenden Verhältnisse erfordert, unser Gesundheitswesen aus einer Perspektive zu betrachten, die Patienten eher fremd ist. In ihren Augen handelt es sich um ein Versorgungssystem, das dazu dient, ihre Beschwerden zu lindern, ihre verlorene Gesundheit wiederherzustellen. Aus Sicht der Industrie hingegen ist es ein Absatzmarkt wie jeder andere. Auf ihm gilt es, möglichst viele Konsumenten zu gewinnen und bei der Stange zu halten, neue Zielgruppen zu gewinnen, möglichst hohe Umsätze und Gewinne zu erwirtschaften. Arzneimittel unterscheiden sich insofern nicht grundsätzlich von Lippenstiften und Duschgels, Fruchtjoghurts und Slipeinlagen, Waschmitteln und Autos. Welcher Produzent räumt denn freimütig ein, dass seine Waren erheblichen Schaden anrichten, wenn er zuvor Unsummen in ihre Entwicklung investiert hat?

Dass Medikamentenhersteller uns tatsächlich heilen wollen, liegt ungefähr so nahe wie die Vermutung, die Drogenmafia träume von einer suchtfreien Gesellschaft. An Gesunden gibt es nichts zu verdienen. An Toten ebensowenig. Lukrativ sind die dazwischen: die chronisch Kranken. Je mehr es davon gibt, je länger sie betroffen sind, desto eher sichern sie Renditen, Aktienkurse und Boni. Was folgt daraus logisch über das wahre, oberste Ziel der Pharmaindustrie? Über Ärzte, die ihr Beihilfe leisten? Über einen Staat, der sie gewähren lässt? Über Medien, die dazu schweigen? Und über Patienten, die mitspielen?

Die beste Medizin wäre eine, die uns so wirksam vorbeugen hilft, dass wir uns erst gar keine synthetische Chemie einverleiben müssen. Warum gibt es sie nicht? Weil sie wirtschaftsfeindlich Wachstum und Arbeitsplätze, Börsenwerte und Managergehälter einer Schlüsselindustrie gefährden würde – wie auch den Profit aller, die mit ihr gemeinsame Sache machen.

  • Ehe Sie zu einem Medikament greifen: Erkundigen Sie sich immer nach chemiefreien Alternativen. Die Natur- und Erfahrungsheilkunde bietet sie reichlich. (Eine Ernährungsumstellung könnte Ihnen beispielsweise Blutdruck- und Cholesterinsenker ersparen, eine Akupunktur Schmerzmittel, ein „Mind & Soul Camp“ der Stiftung Auswege Psychopharmaka.)
  • Ehe Sie einen Arzt konsultieren: Versuchen Sie herauszufinden, ob er mit der Pharmaindustrie verbandelt ist, von ihr Geld oder andere Vergünstigungen erhält. (Hinweise liefert u.a. die Datenbank „Euros für Ärzte“.) Pharmaunabhängige Ärzte haben sich im gemeinnützigen Verein "Mezis" zusammengeschlossen ("Mein Essen zahl´ ich selbst").
  • Ehe Sie ein Rezept annehmen und einlösen: Vergewissern Sie sich, ob Ihr Arzt und Apotheker, den Beipackzettel des betreffenden Präparats vollständig und gründlich gelesen hat. Das ist selten der Fall.
  • Machen Sie sich klar, dass es für die meisten Medikamente keine ausreichenden wissenschaftlichen Erkenntnisse darüber gibt, was sie langfristig anrichten, zumal im Zusammenspiel mit vielerlei weiteren einverleibten Chemikalien.
  • Lassen Sie sich nicht dazu überreden, zu einem brandneuen Medikament zu wechseln, solange sie mit dem bewährten Vorgängerpräparat zufrieden sind. Viele üblen Nebenwirkungen und Langzeitschäden, die eine vermeintliche „Innovation“ anrichtet, zeigen sich erst nach Markteinführung.
  • Vergessen Sie nie, dass es sich aus unternehmerischer Sicht auch bei Medikamenten um Waren handelt, die profitorientiert vermarktet werden. Hersteller wollen daran verdienen. Daher haben sie starke Motive, Ihnen zuviel zu versprechen, Ihnen alles zu verschweigen, was Sie vom Konsum abhalten könnte – und Sie als Kunden möglichst lange bei der Stange zu halten. Ihre vollständige Genesung wäre geschäftsschädigend.
  • Nehmen Sie sich ein Beispiel an Menschen, die dem gleichen gesundheitlichen Problem nichtmedikamentös beigekommen sind – und ohne Pharmazie bei bester Gesundheit ein hohes Alter erreicht haben.
  • Besuchen Sie ein Therapiecamp der Stiftung Auswege. Mit 90-prozentiger Wahrscheinlichkeit werden Sie dort am eigenen Leib erfahren, wie viel sich in erstaunlich kurzer Zeit gegen die unterschiedlichsten chronischen Leiden ausrichten lässt – ohne Chemie.

Lesetipps

Marcia Angell: Der Pharma-Bluff – Wie innovativ die Pillenindustrie wirklich ist, Bonn/Bad Homburg 2005.
Peter C. Gøtzsche: Tödliche Medizin und organisierte Kriminalität: Wie die Pharmaindustrie unser Gesundheitswesen korrumpiert, 2. Aufl. München 2015.
Markus Grill: Kranke Geschäfte: Wie die Pharmaindustrie uns manipuliert, Reinbek b. Hamburg 2007.
Pharma Death Clock, http://pharmadeathclock.com/
John Virapen: Nebenwirkung Tod – Korruption in der Pharma-Industrie, Mazaruni Publishing 2008.
Hans Weiss: Korrupte Medizin - Ärzte als Komplizen der Konzerne, Köln 2008
Frank Wittig: Die weiße Mafia. Wie Ärzte und Pharmaindustrie unsere Gesundheit aufs Spiel setzen, München 2015.
Harald Wiesendanger: Teufelszeug - Warum wir von Psychopharmaka fast immer die Finger lassen sollten,, Schönbrunn 2017.
Peter Yoda: Ein medizinischer Insider packt aus, Kernen 2008, ib. S. 123-142 („Timothys Story“)

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